CorpIn in Brüssel: Warum Europa messbare KI-Maturität braucht

Verfasst durch

Team CorpIn

July 1, 2026

Zwei Tage in Brüssel. Gespräche im Umfeld des Europäischen Parlaments, der Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss-Strukturen, von Verbänden, Unternehmerinnen und Unternehmern, politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie europäischen Institutionen.

Und eine Erkenntnis, die sich durch nahezu jede Diskussion zog:

Europa fehlt es nicht an Ambition. Europa fehlt es oft an Orientierung, Geschwindigkeit und Umsetzungsfähigkeit.

Auf Einladung von SME Connect durfte CorpIn am OPC Summit 2026 in Brüssel teilnehmen und eine eigene Working Session gestalten:

Helping European Organizations Build AI Maturity: Benchmarking, Prioritization and Continuous Improvement

Für uns war diese Session weit mehr als ein Vortrag. Sie war ein strategischer Moment, um genau dort über KI-Maturität zu sprechen, wo Europas wirtschaftliche Zukunft verhandelt wird: in Brüssel.

Ein Summit über Sichtbarkeit, Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerische Realität

Der OPC Summit 2026 stand unter dem Leitgedanken:

One-Person Companies and the Self-Employed in Europe: Working Together, Calling for Recognition

Im Zentrum standen dabei one-person companies, Selbstständige, kleine Unternehmen, KMU, Verbände und jene Organisationen, die täglich die wirtschaftliche Realität Europas prägen.

Die Veranstaltung brachte Perspektiven zusammen, die im politischen Diskurs häufig getrennt betrachtet werden:

Unternehmerische Praxis.
Europäische Regulierung.
Digitalisierung.
Binnenmarkt.
Wettbewerbsfähigkeit.
Künstliche Intelligenz.

Diskutiert wurde unter anderem über den EU-Gesetzgebungsprozess, Stakeholder Engagement, den Single Market, administrative Belastung, die sogenannte 28th Regime / EU Inc.-Debatte, Produktregulierung, Market Access, Digital Identity, Browser Consent, Digital Omnibus und den praktischen Umgang mit neuen regulatorischen Anforderungen.

Mit dabei waren unter anderem Dr. Horst Heitz, Mario Bartenhauser, Prof. Milena Angelova, Peter Dohr von der Austrian Chamber of Commerce, Jan-Frederik Kremer, Betsy Annen von Google, Leena Whittaker von EuroCommerce, Reinhold Lopatka MEP, Angelika Winzig MEP, Niels Flemming Hansen MEP sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Wirtschaft und Politik.

Was diese zwei Tage besonders gemacht hat: Die Diskussionen waren nicht abstrakt. Es ging nicht um Theorie. Es ging um echte Unternehmen, echte administrative Hürden, echte Umsetzungsprobleme und die Frage, wie Europa seine wirtschaftliche Basis stärken kann.

Die zentrale Spannung: Europa will schneller werden, wird aber komplexer

Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen: Europas Unternehmen wollen wachsen, digitalisieren und internationaler werden. Gleichzeitig treffen sie auf eine immer komplexere regulatorische Realität.

Besonders eindrücklich waren die Diskussionen zur praktischen Belastung kleinerer Unternehmen. In einer Session zur Single-Market-Realität wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass administrative Hürden innerhalb Europas wirtschaftlich wie ein massiver nichttarifärer Handelshemmnis wirken können. Genannt wurden Schätzungen, nach denen interne Barrieren im EU-Binnenmarkt im Güterhandel einem Äquivalent von rund 44% und bei Dienstleistungen sogar rund 110% entsprechen können.

Ebenso eindrücklich waren die Zahlen zur administrativen Belastung: Für österreichische Unternehmen wurde diskutiert, dass Bürokratie insgesamt rund 7,4% der Personalkapazität beanspruchen kann. Bei Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden wurden durchschnittlich 77 Arbeitsstunden pro Mitarbeitendem und Jahr genannt. Für one-person companies wurde ein Wert von rund 250 Stunden pro Jahr diskutiert – also mehr als ein voller Arbeitsmonat nur für Administration.

Diese Zahlen sind mehr als Statistik. Sie zeigen, warum Digitalisierung und KI nicht als „nice to have“ betrachtet werden dürfen. Sie sind eine Voraussetzung dafür, dass Unternehmen in Europa wieder mehr Zeit für das haben, was wirklich Wert schafft: Kunden, Innovation, Produktivität und Wachstum.

Warum KI-Maturität jetzt entscheidend wird

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie ist bereits in Geschäftsprozessen angekommen: in Marketing, Kundenkommunikation, Administration, HR, Entwicklung, Wissensmanagement, Analyse, Automatisierung und strategischer Entscheidungsunterstützung.

Doch genau hier entsteht ein neues Problem.

Viele Unternehmen nutzen bereits KI-Tools. Viele testen ChatGPT, Copilot, Claude, Gemini oder spezialisierte Automatisierungslösungen. Viele besuchen Workshops, probieren Use Cases aus oder starten erste Pilotprojekte.

Aber nur wenige können objektiv beantworten:

Wo stehen wir eigentlich?
Wie vergleichen wir uns mit ähnlichen Unternehmen?
Welche Fähigkeiten fehlen uns?
Welche Use Cases sollten wir priorisieren?
Wie messen wir Fortschritt über Zeit?

Das ist der Kern dessen, was wir bei CorpIn als Strategic Blindness beschreiben.

Unternehmen experimentieren, aber sie steuern nicht. Sie sammeln Tools, aber keine Entscheidungslogik. Sie sprechen über KI, aber häufig ohne objektive Maturitätsbasis.

Unsere Überzeugung ist deshalb klar:

AI Maturity is not only a technology problem. It is a measurement problem.

Unser Beitrag in Brüssel: Von KI-Hype zu messbarer Maturität

In unserer Working Session haben wir gezeigt, warum KI-Maturität für europäische Unternehmen zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor wird.

Die Grundlage dafür entstand bei CorpIn bereits 2023. Aus akademischen Arbeiten an der Radboud University und im Umfeld der Universität St. Gallen heraus entwickelten Nicolas Quell und Julianus Kath zwei Perspektiven auf dasselbe Problem: eine technologische und eine betriebswirtschaftliche.

Schon damals zeigte sich ein Muster: Die meisten wissenschaftlichen und praktischen Diskussionen über KI-Adoption konzentrierten sich auf große Unternehmen. Große Budgets. Große Datenabteilungen. Große Transformationsprogramme.

Doch die Realität der europäischen Wirtschaft sieht anders aus. Sie besteht zu einem erheblichen Teil aus KMU, Familienunternehmen, spezialisierten Dienstleistern, Verbandsmitgliedern, Selbstständigen und kleineren Organisationen, die häufig nicht über eigene Daten-, Strategie-, Legal- oder KI-Abteilungen verfügen.

Genau daraus entstand die Frage, die CorpIn bis heute antreibt:

Wenn KI Europas Wettbewerbsfähigkeit transformieren soll, warum ist dann so viel der Diskussion für jene Organisationen gebaut, die ohnehin schon über die Ressourcen verfügen, damit umzugehen?

Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt unserer Forschung, unseres Benchmarks und unserer Plattform.

Heute basiert CorpIn auf einem empirischen Benchmark von über 1.400 Organisationen und einem strukturierten Framework, das KI-Maturität über mehrere Dimensionen messbar, vergleichbar und steuerbar macht.

EU AI Act: KI wird vom Experiment zum Governance-Thema

Ein weiterer zentraler Teil unserer Diskussion in Brüssel war der EU AI Act.

Der AI Act verändert die Rolle von KI in Unternehmen grundlegend. KI wird nicht mehr nur als Innovationsthema behandelt, sondern zunehmend als Governance-, Transparenz- und Risikothema.

Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht künftig nicht mehr, einfach einzelne KI-Tools zu nutzen. Organisationen müssen verstehen:

Welche KI-Systeme nutzen wir?
In welchen Prozessen kommen sie zum Einsatz?
Welche Risiken entstehen daraus?
Welche Rollen nehmen wir ein – Anbieter, Nutzer, Betreiber, Integrator?
Welche Transparenzpflichten betreffen uns?
Wie stellen wir AI Literacy sicher?
Wie dokumentieren und steuern wir KI-Nutzung über Zeit?

Besonders relevant ist dabei die Pflicht zur AI Literacy. Unternehmen müssen sicherstellen, dass Personen, die KI-Systeme nutzen oder beaufsichtigen, ein angemessenes Verständnis für Chancen, Risiken und Grenzen dieser Systeme haben.

Damit wird deutlich: Der AI Act ist nicht nur ein juristisches Thema. Er ist ein Organisations- und Maturitätsthema.

Für CorpIn bestätigt das eine unserer Kernthesen:

KI-Adoption ohne Governance wird nicht skalieren. Governance ohne Messbarkeit bleibt abstrakt.

Genau an dieser Stelle setzt unsere Plattform an.

Warum CorpIn im europäischen Kontext relevant ist

Brüssel hat für uns sehr deutlich gezeigt: Europa braucht nicht einfach mehr KI-Tools. Europa braucht eine bessere Entscheidungslogik für KI.

Die EU spricht über AI Continent, technologische Souveränität, AI Factories, Digital Decade Targets und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig stehen Unternehmen in der Praxis vor sehr konkreten Fragen:

Welche Technologien sind relevant?
Welche Prozesse eignen sich wirklich?
Welche regulatorischen Anforderungen müssen beachtet werden?
Welche Datenbasis ist ausreichend?
Welche Mitarbeitenden müssen befähigt werden?
Welche Investitionen erzeugen tatsächlichen Impact?

CorpIn beantwortet diese Fragen nicht durch Bauchgefühl, sondern durch strukturierte Analyse, Benchmarking und Priorisierung.

Unsere Plattform macht AI Maturity:

messbar – durch standardisierte Scoring-Logik,
vergleichbar – über Unternehmensgrößen, Branchen und Kohorten hinweg,
steuerbar – durch priorisierte Empfehlungen und Fortschrittslogik.

Damit positioniert sich CorpIn nicht als weiteres KI-Tool, sondern als Corporate Intelligence Layer: eine Steuerungsebene, die Unternehmen hilft, ihre KI-Realität zu verstehen, Handlungsfelder zu priorisieren und Maturität über Zeit aufzubauen.

Verbände als Schlüssel zur europäischen Skalierung

Eine besonders spannende Erkenntnis aus Brüssel war die Rolle der Verbände.

Verbände haben etwas, das Technologieanbieter selten haben: Vertrauen, Zugang und Kontext. Sie verstehen ihre Mitglieder. Sie kennen deren Hürden, Kommunikationskanäle und Realitäten. Sie können komplexe europäische Themen in konkrete Unterstützungsangebote übersetzen.

Gerade bei KI kann diese Rolle entscheidend werden.

Denn viele Unternehmen brauchen nicht zuerst eine Enterprise-Transformation. Sie brauchen einen strukturierten Einstiegspunkt:

Wo stehen wir?
Was fehlt uns?
Was sollten wir zuerst verbessern?
Wie vergleichen wir uns?
Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?

Für Verbände entsteht daraus eine neue Möglichkeit: Sie können ihren Mitgliedern nicht nur allgemeine Informationsangebote machen, sondern eine konkrete, benchmarkbasierte Orientierung bieten.

Das ist mehr als ein Mitgliederbenefit.

Es ist der Anfang einer europäischen Benchmark-Infrastruktur für AI Maturity.

Was wir aus Brüssel mitnehmen

Die zwei Tage in Brüssel haben uns in unserer Mission bestärkt.

Europa steht an einem Wendepunkt. Die regulatorische Landschaft wird komplexer. Die technologische Entwicklung beschleunigt sich. Der Wettbewerbsdruck aus den USA und China nimmt zu. Gleichzeitig haben europäische Unternehmen enorme Stärken: industrielle Tiefe, regionale Verankerung, starke Ausbildung, vertrauenswürdige Institutionen und eine vielfältige Unternehmenslandschaft.

Die entscheidende Frage ist, ob diese Stärken schnell genug in konkrete KI-Maturität übersetzt werden können.

Unsere Antwort darauf ist eine strukturierte Entscheidungslogik, die Unternehmen hilft, sich selbst besser zu verstehen, sich zu vergleichen und gezielt besser zu werden.

Designed in Switzerland. Built for Europe.

Für uns war es ein besonderer Moment, in Brüssel über ein Thema zu sprechen, das für CorpIn in der Schweiz begonnen hat.

Was 2023 aus Forschung, Bachelorarbeiten und ersten Projekten entstanden ist, entwickelt sich heute zu einer Plattform mit europäischer Relevanz.

Wir sind überzeugt:

Europe’s AI future will not be defined by regulation or technology alone. It will be defined by our ability to make AI maturity measurable, comparable and actionable for every organization.

Genau daran arbeitet CorpIn.

Designed in Switzerland.
Built for Europe.
Defining Corporate Intelligence.

Dank

Ein besonderer Dank geht an SME Connect, Dr. Horst Heitz, Mario Bartenhauser und alle Teilnehmenden, Speaker und Organisationen, die diese zwei Tage möglich gemacht haben.

Brüssel hat gezeigt: Die Diskussion über Europas KI-Zukunft ist nicht abstrakt. Sie findet jetzt statt. Und sie braucht Unternehmen, Verbände und Institutionen, die bereit sind, Orientierung in messbaren Fortschritt zu übersetzen.

CorpIn ist bereit, einen Beitrag dazu zu leisten.

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